Evangelische Freiwilligendienste

Dienstpflicht für Geflüchtete?

Angesichts der Debatte um ein verpflichtendes Dienstjahr für Asylsuchende fordern die Evangelischen Freiwilligendienste, die bereits vorhandenen freiwilligen Angebote zu stärken.

Die Idee von Engagement von Geflüchteten in Deutschland ist nicht neu. Seit Jahren gibt es für Geflüchtete die Möglichkeit, einen Freiwilligendienst zu leisten. Diese Chance nehmen Geflüchtete auch zunehmend wahr. Das Sonderprogramm „Bundesfreiwilligendienst für Geflüchtete“ hat in den letzten Jahren ein besonderes Augenmerk auf diesen Bereich gelegt und wir haben uns hier intensiv engagiert.

Dieses Programm läuft jedoch Ende des Jahres aus. Um auch weiterhin diese Möglichkeit der Integration zu nutzen, fordern wir eine Sicherung der Mittel des Sonderprogramms und deren Überführung in die Regelprogramme. Denn unsere Erfahrungen zeigen, dass Geflüchtete im Freiwilligendienst nicht nur Hilfeempfänger sind, sondern auch etwas an die aufnehmende Gesellschaft zurückgeben können.

Aktuell ist der Zugang für Geflüchtete für einen Freiwilligendienst nach wie vor oft durch bürokratische Hürden erschwert. Bevor eine allgemeine Dienstpflicht gefordert wird, wäre es daher zielführend, diese Zugänge für Geflüchtete zu erleichtern.

Dafür gibt es aus der Praxis viele Anregungen z.B. einen Anspruch auf eine Erwerbstätigkeitserlaubnis für Geflüchtete für die Ableistung eines Freiwilligendienstes oder sogar die Abschaffung dieser Notwendigkeit, den Schutz vor Abschiebung während eines Freiwilligendienstes, den Abbau von bürokratischen Hürden während eines Freiwilligendienstes (z.B. Befreiung von der Teilnahme an einem Sprachkurs während der begleitenden Seminare). Auch eine Investition in die adäquate Begleitung der Geflüchteten durch zusätzliche Mittel in den Freiwilligendiensten würde die Bemühungen um eine wirkliche Integration der Geflüchteten unterstützen. Denn welche Tätigkeiten sollen eigentlich Menschen ausführen, die die Sprache nicht gut beherrschen, oft in unzulänglichen Wohnsituationen leben und keine Lebensperspektive für sich entwickeln können aufgrund von Unsicherheit über die Bleibeperspektive?

Wichtige Faktoren, die für Geflüchtete für einen Freiwilligendienst sprechen, sind die Möglichkeit, Kontakt zu anderen Gleichaltrigen der Mehrheitsgesellschaft zu bekommen, ein selbstverständlicher Teil der aufnehmenden Gesellschaft zu sein, Einblicke in das Zusammenleben in Deutschland zu bekommen und damit Integration als gelebten Alltag zu erfahren. Ein Freiwilligendienst ermöglicht zudem Einblicke in Arbeitszusammenhänge, den Erwerb und die Nutzung von Deutschkenntnissen sowie die Entwicklung einer schulischen und beruflichen Perspektive in Deutschland. Die Erfahrung, dass eigene Kompetenzen und Fähigkeiten sinnvoll und für andere nützlich sind, ist Ansporn und Anerkennung für die Geflüchteten zugleich und unterstützt die Integration.

Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend
Diakonie

Evangelische Freiwilligendienste gGmbH

Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover

Tel. 05 11/45 000 83-30

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